Meine letzte Nacht war grauenhaft, kein Witz. Und das war so:
00:15 Uhr, zu warm zum Schlafen, also schnüffel ich mal wieder in den hundigen Nachrichten aus aller Welt. Und über was kräuselt sich mein Hochleistungs-Riechorgan? Hier:
In Dänemark sind ab 01. Juli 2010 Zucht und Verkauf der “Kampf-”Hunderassen Pitbullterrier, American Staffordshire Terrier, Tosa, American Bulldog, Boerboel, Fila Brasileiro, Dogo Argentino, Kangal, Zentralasiatischer Owtscharka, Südrussischer Owtscharka, Kaukasischer Owtscharka, Sarplaninac und Tornjak verboten.
Hundebesitzer, die vor dem 1. Juli solche Hunde gehalten haben, dürfen diese behalten. Allerdings mit verschärften Haltungsvorschriften wie Maulkorb und einer kurzen Leine von maximal 2 m Länge.
Mir fällt auf, dass jetzt sogar Herdenschutz- bzw. Hütehunde in den Kreis der “Bestien” aufgenommen wurden. Blinder Populismus diese ganze Sache. Ohne Hintergrundwissen, ohne Recherchen, ohne Fachverstand. Also genau dasselbe Gemurkse, das hierzulande abläuft. Dass die Probleme beim Halter liegen, nicht beim Hund – das will keiner dieser Menschen hören. Natürlich, dem bösen Tier die Schuld zuzschieben, ist bequem und ganz im Trend der Medienhetze. Mir drängt sich die Frage auf, wann jeder Hund, der größer als ein Meerschweinchen ist, pauschal von Amts wegen für gefährlich erklärt wird. Mein Magen fängt jetzt auch an, sich zu kräuseln, während das Nackenfell sich langsam aufstellt.
Ich lese weiter und stelle fest, die Dänen setzen dem Ganzen tatsächlich noch die Krone auf:
Welpen, die nach dem Stichtag 17. März geboren sind und bis zum 1. Juli nicht verkauft sind, müssen eingeschläfert oder ins Ausland verkauft werden. Außerdem soll das Einschläfern der genannten Rassen erleichtert werden.
Rumms! Da bin ich erst mal engültig sprachlos, fassungslos, entsetzt.
Ich frage mich, wie kann man die unschuldigen Welpen zum Tod verurteilen? Die haben ja nun wohl wirklich niemandem was getan, deren einziges “Verbrechen” ist es , der “falschen” Rasse anzugehören. Mir drängen sich Begriffe wie Sippenhaft und Säuberungsaktion auf und mir wird endgültig schlecht. Ist so ein Vorgehen für die dänischen Tierärzte überhaupt vertretbar? Gesunde Welpen nur aufgrund der Rassenzugehörigkeit einzuschläfern? Oder machen das dann Hilfskräfte vom Amt, die mal eben einen Crashkurs Tiermedizin gekriegt haben?
Ich bin wie erschlagen von diesen Nachrichten, gehe zu Murphy und kuschel mich dicht an ihn ran, an “meinen” nicht mehr ganz so kleinen Welpen. Wie gut, dass wir keine Dänen sind und keiner “bösen Rasse” angehören. Aber wie lange geht es uns hier noch gut? Wir sind groß, wir sind stark und wir haben ein ziemlich hohes Idealgewicht (naja, Murphy später mal) – wann sind auch wir deswegen “Kampfhunde”? Irgendwann schlafe ich ein, schützend um Murphy gekringelt, und träume so ausgesprochen schlecht, dass Hanne mich wecken kommt.
Hanne ist einverstanden, die Ferien in Dänemark diesen Herbst bzw. nächstes Jahr zu streichen. Ich hätte gern mal das Meer dort gesehen, es soll sehr schön sein – aber ich will nicht in ein Land, wo Welpen ermordet werden, nur weil sie die “falsche” Rasse haben und nicht das Glück, einen ausländischen Käufer zu finden. Meine Leute wollen das auch nicht.