Carry’s & Lissa’s Geschichte

Der dichte Nebel hat sich verzogen und endlich sieht man wieder die volle Schönheit der Natur.
Die Vögel zwitschern, die Luft riecht nach Sonne, Blumen und Abenteuer.
Heute werden wir einen neuen, uns noch unbekannten Weg entlanggehen. Wir haben ihn erst vor kurzem entdeckt. Bis jetzt hatten wir jedoch noch nicht den Mut aufgebracht, den hölzernen, schmalen Steg der in die unbekannte, geheimnisvolle Wildnis führt zu betreten. Wir können es kaum erwarten dass es losgeht…

HALT! STOP! Nicht so voreilig!
Wir können nicht einfach ohne Isi losmarschieren. Schließlich ist sie medienerprobt und wird nach unserer kleinen Expedition die Öffentlichkeitsarbeit übernehmen. Sie hat Erfahrung mit
den Kameras und anstrengenden Journalisten. Deshalb war sie von uns bereits in der Planungsphase des Projektes einstimmig zur Pressesprecherin gewählt worden.
Eine echte Isi reist natürlich nicht mit dem Auto, der Bahn oder mit dem Flugzeug zu wichtigen Terminen.
Ein riesiges U Boot legt am Ufer unseres kleinen Baggersees an. Keine Ahnung wie es dort hingelangt ist. Aber wen interessiert das schon wenn alle vollauf damit beschäftigt sind die kleine Lady Schlappohr überschwänglich zu begrüßen.

Wir können uns aber nicht mit allzu langem herzlichen Beschnüffeln und Duftnotensetzen aufhalten. Schließlich wollen wir heute noch etwas erleben.
An unseren Halsbändern werden mit routinierten Handgriffen die Sicherungsleinen für unsere sonst hilflosen zweibeinigen Proviantträger befestigt. Isi gibt das Aufbruchskommando: WUUUUUFF!!!
Und dann die Überraschung. Damit hatte wohl niemand gerechnet!
Kaum um die Ecke geschnüffelt, bietet sich uns ein fantastischer, unerwarteter Anblick: Ein kleiner, künstlich angelegter Teich inmitten dieser Wildnis.
Die Wasserstelle wird umrandet mit einer großen Anzahl von Bögen und Nischen, von Menschenhand geschaffen. Statuen, und sogar einen kleinen Pavillon können wir entdecken.
UND… Und wir sind nicht die ersten, die dieses Kleinod gefunden haben. Wir stellen mit Bedauern fest, dass einige Halbschuhtouristen auch hier, fernab der Zivilisation anzutreffen sind…Eine nervige Abart der Gattung Mensch. Ich möchte das an dieser Stelle bemerken, weil sie ganz einfach nicht ins Bild passen und fehl am Platz aussehen. Außerdem haben sie nichts zum Fressen in den Taschen.
Aber zum Glück hatten wir vorausgedacht und vorgesorgt.
Wir legen also eine kurze Verschnaufpause ein, um aus den Händen unserer persönlichen Menschen einen kleinen Imbiss einzunehmen.

Während wir im Schatten der Bäume noch ein kurzes Verdauungsschläfchen halten, lauschen wir den Geschichten der schwatzhaften Futterträger.
Sie erzählen einander von ihren Ausflügen ans Meer. Sie schwärmen von den Spaziergängen am sandigen Strandufer dieses riesigen salzigen Wassers. Sie lieben anscheinend Spaziergänge, ohne Schuhe anzuhaben. Als ob das etwas besonderes wäre. Schließlich tragen wir doch auch nie Schuhwerk! Ihr monotones Gequassel lässt mich einschlafen.
Und dann habe ich einen Albtraum. Überall ist Sand. Nirgends ist in diesem schrecklichen Traum ein grünes Büschel Gras, ein anderes Grün oder gar ein Baum zu sehen. Kein Schotter, keine Erde. Nur Sand. Und meine Blase ist so voll. Aber ich bin mir im Traum nicht sicher ob ich im feinen Sand das tun darf, was ich eigentlich nur auf gewachsenem Boden tun darf. Furchtbar!
Ich kenne mich mit Sand nicht aus. Er erinnert mich nur ganz entfernt an eine Katzentoilette. Na toll, Katzen haben mir in meinem Albtraum gerade noch gefehlt!!! Ich wache mit einem Schreckensschrei auf.
Die anderen Expeditionsteilnehmer sind bereits in freudiger Aufbruchsstimmung und ich lasse mich dankbar von ihnen davon anstecken. Die guten Gerüche der neuen Umgebung und des warmen, grünen Bodens verdrängen rasch den grauenvollen Sand und die Katzen aus meinen Gedanken.

Unsere Wanderung führt uns durch einen dichten Wald.
Ich würde so gerne den Rehspuren folgen die unsere Wege kreuzen. Aber ich weiß, dass ich die anderen in dieser Wildnis nicht verlassen darf. Wir müssen zusammen bleiben. Wir sind nur gemeinsam stark und unbesiegbar.
Kurz steigt mir auch dieser beißende, gefährliche Geruch von Wildschweinen in der Nase. Eine Bache mit Frischlingen. Mit der ist nicht gut Kirschen essen.
Ich könnte mir nie verzeihen wenn ein Mitglied unseres bunt zusammengewürfelten Expeditionsrudels verletzt werden würde. Und das nur,  weil einer der Jäger unter uns seiner Leidenschaft nachgeben möchte.
Aber alle sind diszipliniert genug. Sogar LISSA und St Murphy haben den Ernst der Lage erkannt. Schweigend und schnüffelnd arbeiten wir uns durch die Gerüche des Waldes.
Nach einem steilen Aufstieg, geht es wieder bergab und der Weg mündet schließlich in eine saftige, grüne Wiese.
DJ warnt uns vor dem stromführenden Weidezaun, hinter dem ein paar Ziegen stehen. Eine dieser Kreaturen befindet sich auf einem Anhänger, den der Bauer am Rand abgestellt hat. Sie beäugt uns misstrauisch und von oben herab. Sie ruht dort inmitten von Heu, das wohl als Abwechslung zum Frischfutter hier gelassen worden ist.
Jemand der in einem überdimensionalen Futterbehälter liegt, ist mir nicht geheuer! Ob die Zweibeiner das auch so süß und romantisch finden würden wenn unsereiner das machen würde? Da wir jedoch nicht in unsere Futternäpfe passen, werden wir das nie erfahren…
Lissa fürchtet sich ein wenig vor den Ziegen, und so gehen wir rasch weiter.

Wieder verschluckt uns der dichte Mischwald.
Mein Magen fühlt sich leer an. Ich bereue es, nicht wie Lissa ein paar von diesen Ziegenkeksen die vorhin zur freien Entnahme am Boden herumgelegen sind, gefressen zu haben.
Indi versucht die Stimmung etwas aufzulockern, indem er für uns Mädchen ein paar seiner lustigen Anekdoten zum Besten gibt. Dazwischen versucht er immer wieder mit seiner unvergleichlich charmanten Art einer von uns den Hof zu machen.
LISSA ist zickig und knurrt leise. Oder war das mein Magen?
Ich versuche meine Futterträgerin durch perfektes Bei Fuß Gehen daran zu erinnern, was ihre Pflichten sind. Ich überlege gerade ob eine ungezwungene, perfekte  Ganzkörperrolle  nach rechts oder nach links vielleicht nachdrücklicher auf meine Bedürfnisse hinweisen würde. Die Zweibeiner finden solche Kunststückchen niedlich und  sie werden dadurch ohne viel Aufwand motiviert uns zu verwöhnen… Da beginnt plötzlich die Luft zu schwingen und zu vibrieren.
Erschrocken bleiben wir stehen. Töne, die mir bekannt vorkommen aber doch so anders sind als bei uns zu Hause im Dorf. Glockengeläut! Lange anhaltend und laut!
Das heißt, eine menschliche Siedlung muss sich in der Nähe befinden. Und – es ist Mittagszeit!!!
Wie zur Bestätigung wird mir ein Hundekeks ins Maul geschoben. Lissa möchte zu bellen beginnen, und wird ebenfalls mit einem Keks zum Schweigen gebracht.
Es kommt wieder Bewegung in unsere Meute und wir folgen der eifrig wedelnden Smilla, die mit ihrem Leinenträger im Schlepptau hinter einem Felsvorsprung verschwindet.

Wir laufen einen Hang hinunter. Sally hat die Führung übernommen.
Durch anfeuernde Zurufe und leichtem  Zug an ihren Sicherungsleinen  bemühen wir uns, unsere zweibeinigen Futterträger  zu einer  schnelleren Gangart zu überreden.
Und plötzlich habe ich diesen wunderbaren Duft einer großen Wasserfläche in der Nase.
Ich sehne mich nach einem Vollbad und nach einem anständigen Schluck Wasser. Es geht doch nichts über diesen unvergleichbaren Trinkgenuss, wenn  kleine kühle  Wellen alle 4 Beine umspülen.
Aber noch können wir das köstliche Nass nur erahnen. Ein breiter Schilfgürtel versperrt uns die Sicht.
Auch von der menschlichen Siedlung die wir hier doch so sicher vermutet hatten, ist weit und breit nichts zu entdecken. Nur Schilf. Und irgendwo dahinter befindet sich das Wasser. Vielleicht mit Isis U – Boot.
Ich erinnere mich an meinen Hunger. Mein Magen knurrt wieder leise. Oder war es diesmal die kleine Blanche? Die DJ gerade zu verstehen gibt, dass sie ein anständiges Chihuahuamädchen ist das nicht viel von kurzen Expeditionsliebeleien hält…

Wenn ich hungrig bin, kann ich mich nicht mehr konzentrieren. Dann verliere ich die Freude am Schnüffeln und das Interesse an der schönen Umgebung.
Ich trotte missmutig als Schlusslicht der Expeditionsmannschaft dahin. Im Windschatten meiner Futterträgerin, die kein Krümelchen herausrückt. Die Sicherungsleine durch die ich mit ihr verbunden bin, hindert
mich daran mir selber ein paar Häppchen zu besorgen…
Ein paar male falle ich beinahe über meine eigenen Pfoten. In meiner ganz frühen Jugend hat mich mein persönlicher Mensch manchmal getragen wenn ich so unwillig dahingestolpert bin. Ach, waren das noch
Zeiten!
Da fällt mir so aus den Augenwinkeln heraus auf, dass sich die Landschaft um uns herum verändert hat. Die Büsche und Bäume  hier sind eindeutig von Menschenhand gepflanzt worden. Stabile Zäune erinnern uns
daran, dass wir auf dem Weg zurück in die Zivilisation sind.
Eine der kleinen Chihuahuamädchen erklärt freudig, dass hier vor wenigen Minuten bereits eine andere Expeditionsgruppe durchgekommen sein muss.
Mit einem Schlag bin ich hellwach!
Jetzt kann ich die nahe menschliche Siedlung bereits riechen. Das geschäftige Treiben ist nicht mehr zu überhören. Die Worte NÄCHSTE GASTSTÄTTE und SCHNITZEL reissen mich endgültig aus meiner Lethargie.
Wedelnd bahne ich mir den Weg durch die Freunde an die Spitze unseres Rudels. Schließlich möchte ich im Gasthof einen guten Platz ergattern. Und zwar möglichst rasch!

~~~~~~~~~~~~~~~~~

[print_link]

[dl url="http://www.halbgold.de/blog/Carry.pdf" title="Download" desc="Carry’s u. Lissa’s Geschichte als PDF"]

Pfotenabdruck hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

:D :) ^_^ :( 8O :o 8) ;-( :lol: xD :wink: :evil: :p :whistle: :woot: :sleep: =] :sick: :straight: :ninja: :love: :kiss: :angel: :bandit: :alien: :-[ (L) (&) :poop: :bussi: :rotfl: :hurra: :huepf: :!: :idea: :brav: :oehm: :wand: :?: :pfeil: