Es war an einem heißen Tag mitten im Hochsommer.Die Grillen zirpten im Gestrüpp versteckt ihr Liebeslied.Der Duft des Erikas hing schwer über der Heide, das Harz der Akazien quoll aus den Hölzern und über all dem lag ein Hauch von Lavendel in der Luft.Ausser dem Zirpen der Grillen und dem fernen Gesang einer Heidelerche war es sehr ruhig und angenehm still.Wenn man barfuß über die Holzplanken des Weges, durch den Erika gelaufen wäre, hätte man gespürt wie angenehm warm das Holz durch die Sonnenwärme schon geworden war.Es war ein schöner Tag, ein Tag wie man ihn sich wünscht, so mitten im August.
Wenn man dem geschwungenem Pfad des Weges folgte so kam man, irgendwann, nach hunderten von Abzweigungen und Kreuzungen, wenn man den richtigen Weg gegangen war, zu Ottos Haus.Aber das war gar kein richtiges Haus mit vier Wänden, einem Dach und vielleicht einem hübschen Vorgarten. OH nein, dieses Haus war etwas ganz Besonderes.Es war aus Stahl und hatte eine ganz seltsame Form.Man munkelt, es könne bis auf den Boden des Meeres hinabtauchen.Doch solange er, der alte Schlappohr Wilfried seinen Kumpel Otto all jene Jahre besucht hatte, da lag sein Haus immer an der selben Stelle, in einem kleinen See, mitten in der Heide. Keiner weiß heute mehr wie dieses Ungetüm dort hingekommen ist und nicht selten ist die Rede von Riesen oder Göttern.Doch Bassets glauben nicht so recht an Riesen und eigentlich ist es ihnen auch egal wie es da hingekommen ist oder in was für einem Haus der Otto wohnt, denn was zählt ist doch nur, dass es bei Otto immer fröhlich und lustig zugeht.Und so war es auch, an diesem schönen Tag, mitten im August.
Jetzt war es jedoch an der Zeit wieder nach Hause zu laufen.Schließlich war es ein ganz schönes Stück bis er wieder bei seinen Liebsten auf dem Sofa liegen konnte.So schön es bei Otto auch immer war, irgendwann kam immer der Punkt an dem es ihn nach Hause, zurück zu seiner Familie zog.Und so machte er sich auf den Weg zurück, über die noch immer warmen Holzbohlen, vorbei an der singenden Heidelärche, an der einen Kreuzung links und an der nächsten rechts, doch halt was war das?Plötzlich bemerkte er, dass er an einen Ort gekommen war an dem er noch nie zuvor gewesen war. Er musste irgendwo falsch abgebogen sein. Ach wie ärgerlich, denn er wollte doch spätestens zum Abendbrot wieder zuhause sein. Alles jammern half nicht und so betrachtete er sich diesen seltsamen Ort etwas genauer.
Da war in der Mitte eines Platzes ein großes Wasserbecken und in diesem Wasserbecken da waren steinerne Nymphen die auf Seeungeheuern sassen und frech grinsten.Das Wasser im Becken war grünlich verfärbt und es schwammen Algenflecken umher.Hier und da meinte er einen schwarzen Schatten im Wasser vorbei huschen zu sehen. Ob es wohl Fische waren oder etwas größeres und gefährlicheres?Sicher war, er würde nicht in diesem Gewässer baden.Auch wenn die Treppen am einen Ende des Beckens mehr als einladend zu sein schien.Um das Wasser befanden sich in wildes Pflanzendickicht eingeflochtene Höhlen und Nischen.Kleine Grotten in denen sich eine paar Fledermäuse zur Tagesruhe niedergelassen hatten und in denen es angenehm kühl war.Der ganze Ort wirkte magisch und verzaubert.
In einer der kleinen Grotten ließ sich Wilfried schließlich nieder um ein bisschen auszuruhen und die angenehme Stimmung dieses schönen Ortes zu genießen. Als sich seine Augen an das Dunkel gewöhnt hatten, erkannte er, dass der Boden mit Sand bedeckt war und man in dem Sand Füße erkennen konnte. Als er nach oben sah, da erkannte er, dass in die Wände Figuren eingearbeitet waren.
Da standen Männer die aussahen als wären sie vor langer Zeit mutig mit Pfeil und Bogen in den Krieg gezogen. Frauen mit wunderschönen Kleidern aus Stein und Stuck schauten mit Güte in ihren Augen aus Kieselsteinen auf den kleinen Schlappohr hinab. Kleine pausbäckige Kinderchen hielten sich an den Rockschößen der Frauen fest und große Hunde lagen mit treuem Blick zu Füßen ihrer Herren.
Doch alles blieb still und fast schon traurig dachte Wilfried bei sich, dass das einmal ein sehr schöner Ort gewesen sein musste als hier noch Zweibeiner gelebt hatten. Aber es blieb ihm nicht viel Zeit darüber nachzudenken. Langsam machte sich nämlich sein Magen bemerkbar und er wollte endlich nach Hause kommen.
Als Wilfried eine ganze Weile gelaufen war, da kam er an eine Wiese, auf der ein Bauer verzweifelt versucht hatte seinen Schlepper mit dem neuen Streu und Heuballen zu beladen. Aber ein zickiger und gemeiner Ziegenbock hatte andere Pläne und so hatte dieser das ganze eingepackte Heu aufgerissen und auf der Wiese verteilt. Schließlich war er auf den Anhänger gesprungen und hatte sich ein kuscheliges Plätzchen geschaffen. Hier gedachte der Ziegenbock auch so schnell nicht mehr hinunter zu kommen. Sollte der dumme Bauer doch schauen wir er ihn davon abhalten wollte hier den ganzen Sommer zu liegen.
Der Bauer wollte sich gerade auf den Weg zu seiner Frau aufmachen um ihr das Unglück zu beichten, dass der Ziegenbock angerichtet hatte.
Die Hände zum Himmel gestreckt und den Herrn um Beistand anflehend ahnte er nämlich schon was da für ein Gewitter auf ihn hereinbrechen würde.
Wieder einmal würde seine Frau ihn als den unfähigsten Bauern im ganzen Land beschimpfen und ihm erklären, dass es wirklich zu gar nichts taugte und sie den Tag verwünsche an dem er sie zur Frau genommen hatte.
Wilfried sah wie verzweifelt der arme Mann war und nahm all seinen Mut zusammen.
Er nahm Anlauf, sprang über zwei drei Heuballen und schon kam er mit einem riesen Satz direkt vor dem Ziegenbock auf der Ladefläche zu stehen.
Da staunte der Ziegenbock nicht schlecht und raunzte ihn an was das solle und dass er nicht gewillt sei den Platz zu teilen. Doch Wilfried wollte gar nicht diskutieren sondern knurrte sein böseste Knurren und fletschte die Zähne. Man konnte ihm ansehen, dass er ein sehr hungriger Hund war der nicht darauf aus war irgendwelchen Kompromisse einzugehen. Der Ziegenbock sprang erschrocken auf, runter vom Anhänger und im Galopp zurück in den Stall zu den anderen Ziegen.
Als der Bauer das sah war er überglücklich und rannte fröhlich zu dem Hund. Er kam zu Wilfried und bedankte sich überschwänglich.
Als Belohnung für seine Heldentat bekam er von dem Bauern eine riesige Schinkenwurst die er sich eigentlich für sein Mittagessen mitgenommen hatte.
Nachdem Wilfried seine Wurst verspeist hatte machte er sich gestärkt wieder auf den Weg, in der Hoffnung, bald zuhause zu sein.
Die Sonne begann langsam längere Schatten zu werfen und die Luft wurde ein wenig kühler. Da Wilfried kein schneller Renner war sondern eher ein gemütlicher Geher, was definitiv auch an seinen etwas kürzeren Beinen lag, freute er sich dass ihm die Sonne jetzt nicht mehr all zu sehr auf den Rücken brennen würde.
Er war mittlerweile durch einen dunklen Wald gekommen in dem er nicht ein Vögelchen hatte singen hören oder ein Eichhörnchen sein Nüsse sammeln gesehen. Es war ein unheimlicher Wald gewesen und jetzt da er aus dem Wald heraus auf eine Lichtung trat da freute er sich riesig. So riesig wie sich Beagles eben freuen können.
Was war das für ein befreiendes Gefühl aus diesem stickigen Dickicht mit seiner seltsam unheimlichen Stimmung heraus zu kommen. Es würde ihn nicht wundern wenn in diesem Wald eine Hexe wohnen würde oder andere unheilstiftende Kreaturen, so unwohl hatte er sich unter diesem schwarzen Blätterdach gefühlt. Der Wald bei ihm zuhause war ganz anders. Da gab es direkt hinter der Kirche einen hübschen kleinen Friedhof und hinter diesem Friedhof da fing der Wald an. Dieser Wald war lichtdurchflutet und man konnte Rehe und Füchse sehen. Viele Vögelchen hielten Gesangswettbewerbe ab und kleine Häschen spielten im Unterholz verstecken. Das beste an diesem Wald war aber das man sich nie verlaufen konnte. Denn die Glocken des Kirchturms bimmelten alle Viertelstunde und so wusste man immer ganz genau wie viel Uhr es war und in welcher Richtung das Dorf lag. So ein Kirchturm war schon eine sehr praktische Erfindung.
Jetzt stand er also auf dieser Lichtung und er blickte auf einen Weg der direkt in einen Hain mit Apfelbäumchen führte. Die Lichtung lag leicht erhöht und so konnte er seinen Blick über ein kleines Tal werfen. Als er auf die Apfelbäume zulief sah er, dass ein Schäfer hier seine Schafe weiden ließ und in der Ferne konnte man kleine Häuschen mit roten Dächern erkennen.
Ob das sein Dorf war?
Mittlerweile hatte er das Gefühl zumindest wieder in seiner Gegend zu sein, doch dieser Wald hatte seine Orientierung ein wenig leiden lassen. Gewillt das Abendessen nicht zu verpassen, lief er an dem Schäfer vorbei, grüßte die Schafe und machte sich in Richtung Dorf auf.
Als er schließlich unten im Tal angekommen war, da bemerkte Wilfried, dass es gar nicht so leicht sein würde bis zum Dorf zu kommen. Überall waren Felder mit mannshoch gewachsenem Getreide und er mit seinen kleinen Beinchen konnte auch nicht so hoch springen um darüber sehen zu können. Kein Weg weit und breit, nur Weizen, Gerste und Mais der leise raschelnd im Wind hin und her wogte. Über ihm irgendwo am Abendhimmel hörte er den Jagdruf eines Bussards. Wenn er doch nur die Kirchturmuhr hören könnte. Nichts würde helfen er musste sich durch dieses Dickicht kämpfen und darauf vertrauen, dass seine Nase ihm schon den rechten Weg weisen würde.
Mit dem Gedanken vielleicht bald schon daheim vor dem Kamin zu liegen machte er sich auf. Irgendwie war es gar nicht so schwierig sich durch so ein Feld zu kämpfen. Die Pflanzen waren in Reihen gewachsen und zwischen diesen Reihen war immer genau so viel Platz, dass ein stattlicher Beagle wie er, Platz genügend hatte, um gut voran zu kommen. Manchmal war eine Pflanze falsch gewachsen und dann musste er ausweichen was der ganzen Sache und seiner guten Laune jedoch kein Hindernis war.
Er wusste nicht wie lange er gelaufen war als er ein seltsames Geräusch hörte. Es kam mal näher und dann verschwand es wieder. Nicht wie ein Auto hörte es sich an sondern viel größer und das Geräusch, dass es machte wenn es ganz in der Nähe war, hörte sich so an als ob jemand einen ganzen Wald auf einmal schreddern würde. Unangenehm wurde es ihm da in seinem Fell und ihm war klar, dass er diesem Lärm nicht zu nahe kommen sollte. Doch konnte er nicht genau einschätzen von wo das Geräusch kam und wohin es ging, fast schien es als ob es aus allen Richtungen gleichzeitig kommen würde. Jetzt war es an der Zeit zu rennen und er lief so schnell ein Beagle mit seinen Beinen laufen konnte.
Fast hatte er das Gefühl das Geräusch war wieder weg, da war es wieder ganz nah und er bekam es mit der Angst zu tun denn er hatte eine Vermutung von was dieser Lärm kommen konnte. Oft hatte er den Bauern auf den Feldern bei seinem Haus zugeschaut. An diesen Tagen durfte er nicht einfach draußen rumstreunen sondern musste sich zusammen mit den Katzen, die Fensterbank am großen Küchenfenster teilen.
Und was er da sah waren riesige Maschinen in denen Menschen saßen und diese Maschinen fraßen das ganze Getreide in Nullkommanichts um es dann hübsch in Bündeln wieder hinten aus zu spucken. Einmal kam sein Herrchen von draußen und berichtete dem Frauchen, dass es sehr gefährlich sei, jetzt seine Tiere draußen zu lassen, denn es hätte die Nachbarskatze erwischt. Was das hieß verstand er nicht ganz aber tatsächlich war die nette Katze vom Nachbarn nie wieder gesehen worden. Jetzt bekam er eine ungefähre Vorstellung davon was mit der Katze passiert sein musste und er rannte noch schneller als er es eh schon tat.
Und siehe da ganz unerwartet sauste er im Beaglegalopp aus dem Feld heraus und konnte wieder weit sehen und um ihn herum waren Wiesen und Wege. Noch ein bisschen in der Ferne konnte er endlich sein Dorf sehen. Gerade in diesem Augenblick fing die Kirchturmglocke an zu schlagen.
Er war fast daheim.
Alles würde gut werden.
Ach wie freute er sich schon sein Herrchen und das Frauchen wieder zu sehen und mit ihnen gemeinsam den Abend, auf dem großen Sofa, in dem gemütlich warmen Wohnzimmer zu verbringen.

Es war fast so als könne er sein Abendessen schon riechen und beim Gedanken an einen leckeren Knochen und das ein oder andere Stückchen Fleisch da fing ihm bald schon der Magen laut an zu knurren. Außer der Wurst vom netten Bauern, hatte er heute nämlich Diät gehalten, was er zwar immer etwas überflüssig fand aber sein Frauchen schon des Öfteren etwas bei seinem Anblick von, gut im Futter gemurmelt hatte und daraufhin kleiner Portionen in seinem Fressnapf gelandet waren.
Das Haus in dem er mit seiner Familie, den zwei großen Zweibeinern, zwei kleinen Zweibeinern, einem großen Kater und seinem winzigen Chihuahuakumpel Joey lebte, war am Waldrand gelegen und wenn man es erreichen wollte, so musste man durch einen Tunnel der aus Bäumen, Efeu und Lianen bestand.
Wenn man weit genug gelaufen war so konnte man das eiserne Gartentor sehen durch das man in den schönsten Garten dieser Welt kam. Da gab es einen Teich mit Fischen und unter Sträuchern die im Frühjahr so wunderschön bunt und überreich blühten fanden sich die besten Knochenversteckplätze. Dunkle Tannen spendeten im Sommer Schatten und unter einem Pavillion der ganz zugewachsen, mit wunderbar duftender Clematis war, saßen an einem Holztisch nicht selten die Kinder und spielten Kartenspiele. Außerdem gab es ein altes Gewächshaus das trotz seines Alters die besten Gurken und Tomaten hervorbrachte. Nicht selten, wenn es draußen einmal nicht ganz so warm war legte sich Wilfried einfach auf die aufgewärmten Holzbohlen in das Gewächshaus zum dösen. Es gab ein Rosenbeet das einen solch betörenden Duft im Spätsommer verströmte, dass es ihm jedes mal wenn er daran vorbei lief regelrecht den Atem nahm. Das allerbeste an diesem Garten war jedoch ein riesiger Komposthaufen der sich hinter dem Haus befand. Ein wunderbarer Ort um Knochen, Spielzeug und allerlei anderes darin auf zu bewahren. Nicht zu vergessen, dass man dort ab und an auch eine Maus fangen konnte und sich wunderbar im verrottendem Laub und Gras wälzen konnte.
Jetzt bog Wilfried in den verwunschenen Weg ein und sah schon aus der Ferne seinen Hundekumpel Joey. Ach was freute es ihn die kleine Schnuffelnase so emsig den Weg absuchen zu sehen. “NA hast du mich vermisst?” bellte er dem Kleinen entgegen, worauf dieser wie verrückt vor Freude auf ihn zuschoss und ihm das Gesicht abschlabberte.
Und da hörte er schon die Stimmen seiner Zweibeiner die sich ebenfalls riesig freuten, dass er wieder zuhause war.
Achja das schönste am Ausflug machen ist doch immer wieder wenn man zurück kommt und sich alle freuen einen zu sehen.
Mal sehen wann er das nächste Mal Otto in seinem Eisenhaus besuchen gehen würde oder vielleicht mal bei dem Bauern vorbeischauen würde um ihm wieder mit seinen Ziegen zu helfen.
ENDE
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